Cookies 🍪

Diese Website verwendet Cookies, die Ihre Zustimmung brauchen.

Zum Inhalt springen
miaEngiadina

Podcast Gudi Campell & Jon Erni

Podcast
14. Apr 26
Zum Podcast auf Romanisch - Deutsche Version zum Nachlesen weiter unten

Interview mit Gudi Campell

 JON: Willkommen beim miaEngiadina Podcast. Ich bin Jon Erni und mein Gast heute ist Gudench, Gudi Campell. Allegra Gudi, danke, dass du bei uns bist.

GUDI: Allegra Jon.

JON: Gudi, wer bist du, wie würdest du deine Verbindung mit dem Engadin beschreiben?

GUDI: Wie gesagt, ich bin Gudi, ich bin im Engadin aufgewachsen - in Samedan geboren und in Cinuos-chel aufgewachsen. Dadurch, dass meine Mutter aus Bern ist und ich oft in Bern war, hatte ich auch das Glück, dass ich in Chur und Luzern zur Schule konnte. Ich war im Militär und konnte auch ein paar Reisen machen. Ein halbes Jahr in Australien und ein halbes Jahr in Südamerika. Aber ich war immer in Cinuos-chel gemeldet. Ich bin noch nie offiziell umgezogen und ich bin wirklich von Cinuos-chel und aus dem Engadin und das gefällt mir sehr gut. Und ja, ich glaube, ich bin wirklich durch und durch ein Engadiner. Das sage ich jetzt mit 40, wenn man noch nie umgezogen ist.

JON: Ich bin überzeugt, dass alle Engadiner bereits bei Cinuos-chel durchgefahren sind. Aber nicht viele halten da an. Kannst du beschreiben, was dieses Dorf für dich ausmacht?

GUDI: Es gibt im Engadin viele schöne Dörfer und wenn man in Cinuos-chel den Ort und die Sonne anschaut, dann gibt’s bestimmt noch bessere Dörfer, aber für mich ist das dort, wo ich aufgewachsen bin. Ich hatte die Chance, in Cinuos-chel ein Restaurant zu übernehmen und das ist sicher der Grund, weshalb ich immer noch da bin. Und der Ort ist für mich die Freiheit. Heute Morgen zum Beispiel, wir haben drei kleine Kinder, sechs, vier und ein Jahr. Und heute Morgen, als ich meine sechsjährige Tochter über die Strasse gebracht habe, um in den Kindergarten zu gehen, hat meine vierjährige Tochter gesehen, dass es schneit. Ich konnte die Türe aufmachen und sie konnte rausgehen und bis am Mittag habe ich sie nicht mehr gesehen. Von da bis nach Davos gibt es keine Häuser, wenn sie den richtigen Weg nimmt. Und das gibt mir eine Freiheit und ich glaube, das ist es, was ich an Cinuos-chel liebe. Es ist ein Startpunkt in alle Richtungen für mich. Wir haben eine gute Verbindung, ich habe den Bahnhof auf der anderen Seite des Hauses, mit sehr schnellen Zügen, um nach Zürich oder Bern zu kommen. Ich habe schon den ersten Zug nach Zürich genommen und war überrascht, dass unten alle Läden noch zu waren. Auf der anderen Seite kann ich Stunden laufen und sehe nichts. Und das ist das, was mir Cinuos-chel gibt. Aber wenn man da über Generationen aufgewachsen ist und die Familien kennt und viel über alle weiss, dann kann das in Momenten, wo man unsicher ist und wo es einem nicht so gut geht, eine gewisse Wurzel geben. Die Wurzeln, die dich tragen und eine gute Basis geben können.

JON: Du hast erwähnt, dass du ein Restaurant führst. Das ist auch eine Pension, die Veduta. Das ist seit 50 Jahren im Besitz eurer Familie. War das immer klar, dass du dieses Geschäft von deinen Eltern übernehmen wirst?

GUDI: Das ist eine gute Frage. Wenn du mich fragst, dann nein. Für mich war das überhaupt nicht klar. Ich habe nach der Schule eine Kochausbildung gemacht. Und so habe ich wahrscheinlich die Basis gelegt, dass in der Familie klarer war oder zumindest alle schon spekuliert haben, dass ich der sein werde, der den Betrieb übernimmt, weil meine Geschwister andere Ausbildungen gemacht haben. Und das ist dann weitergegangen, nach dem Militär habe ich dann auch die Hotelschule gemacht. Für mich war es aber klar, dass ich noch etwas anderes haben möchte. Erst im letzten Semester in der Hotelschule habe ich dann bemerkt, in vielen Diskussionen mit meinen Kollegen, was es für eine grosse Chance ist, selbst ein Unternehmen übernehmen zu können und einen Familienbetrieb haben und entwickeln zu können. Und erst da wurde mir das bewusst. Ich bin nochmals reisen gegangen und hatte dann das Gefühl, dass es eine schöne Herausforderung sein könnte. Und dann bin ich nach Hause gekommen und für meine Eltern war es etwas unerwartet, ich habe gesagt, dass ich bereit wäre, den Betrieb zu übernehmen. Und meine Mutter hat dann auch gesagt, du musst auch die Verantwortung übernehmen und dann kannst du machen, was du möchtest. Und das habe ich auch bemerkt. Ich möchte es übernehmen und so führen können, wie ich es möchte. Wenn sie gesagt hätten, wir wollen es weitermachen, dann wäre es für mich auch offen gewesen, weiterzugehen und woanders zu arbeiten. Aber so hat sich das ergeben. Und heute sagen alle, das war immer klar, dass du es übernehmen wirst. Aber für mich war das nicht so klar.

JON: Heutzutage ist es nicht so einfach, als Hotelier und Gastronom zu arbeiten, gerade kleinere Pensionen sieht man viele, die schliessen müssen und man keine Nachfolger hat. Was sind die Hauptherausforderungen gewesen, die du überwinden musstest oder die du heute in diesem Teil der Wirtschaft siehst?

GUDI: Das ist gerade, auch als ich es übernommen habe, ich war 28 Jahre alt und habe hoch und runter geschaut in den Dörfern um mich herum und habe gesehen, dass alle Hotels dieser Grösse schliessen. Und dann bin ich relativ schnell zum Schluss gekommen, ich glaube, dass die Professionalisierung der Administration enorm zugenommen hat. Auch die Erwartungen des Gastes gegenüber der Administration. Es reicht heute nicht mehr, wenn der Koch bis abends um zehn kocht und dann die Energie nicht mehr hat, um auf die Mails zu antworten. Dieses System funktioniert nicht mehr. Und deshalb war eigentlich das das Ziel. Aber auf der anderen Seite hatte ich auch das Gefühl, dass der Gast es schätzt, in ein kleines Haus zu gehen, wo man ihn kennt. Das ist nicht verloren gegangen. Der Gast sucht das noch immer. Und deshalb war eigentlich mein Ziel, möglichst schnell eine grössere Administration aufzubauen, welche sieben Tage die Woche da sein kann für den Gast. Viele Stunden am Tag, 16 Stunden am Tag, und dem Gast immer zu antworten. Und trotzdem kann das Haus klein und familiär bleiben. Geld, um mit der Administration grösser zu werden, hatte ich nicht. Darum war das Einzige, kleine Betriebe zu fusionieren und zu versuchen, dahinter eine professionellere Administration aufzubauen. Und das war eigentlich von Anfang an die Strategie und daran habe ich gearbeitet.

JON: Du hast vorhin die Verbindung mit der Natur erwähnt. Cinuos-chel inmitten der Natur. Du gehst auch auf die Jagd, deine Passion ist auch die Jagd. Wo gehst du jagen und was macht diese Passion aus für dich?

GUDI: Auf die Jagd gehe ich wirklich, ich bin ein sehr lokaler Jäger, das kann ich, glaube ich, sagen. Ich gehe wirklich von zu Hause aus auf die Jagd. Hinter dem Haus, also wir haben eine Jagdhütte, die wir nutzen können von der Gemeinde, und das ist sehr schön. Das ist in Murter hinter dem Haus. Von da aus kann ich in das Tal Punt Ota und Susauna. Das sind die Orte, wo ich jagen gehe, das war immer so von Anfang an. Und ich hatte das Glück, am Anfang, als ich jagen ging, war das nicht wirklich ein guter Ort, wir hatten nicht viele Gämsen und mit den Hirschen war es auch nicht so gut. Ich habe trotzdem immer gesagt, ich möchte da auf die Jagd gehen. Und ich bin froh, dass ich standhaft geblieben bin, denn jetzt ist es besser geworden und es geht rauf und runter. Ich kann sagen, dass ich kein Jagdtourist bin, ich gehe wirklich gerne dort auf die Jagd. Ich habe auch die Erfahrung machen können, an anderen Orten gehen zu können. Auch im Ausland oder an anderen Orten in der Schweiz. Und muss heute mit 39 Jahren sagen, ich gehe sehr gerne auf die Jagd. Das ist für mich ein fixer Termin in meiner Agenda, den ich mir rausnehme und der mir viel gibt. Aber es gibt auch passioniertere Jäger als mich, das durfte ich auch schon spüren. Es ist die Jagdzeit und alles rundherum, das mir gefällt, ich freue mich, wenn ich ein Tier oder eine Gämse hinter dem Haus schiessen kann. Aber mir sagt es nicht so viel, an anderen Orten zu gehen, das mache ich für die Gesellschaft.

JON: Du machst auch eine Verbindung zwischen der Jagd und deiner Gastronomie, wenn ich das gut recherchiert habe. Ich war auch einmal in deinem Restaurant und habe gesehen, dass dort Wild war, bereit, um verarbeitet zu werden. Wie kombinierst du diese zwei Punkte? Gibst du deine Tiere, die du jagst, praktisch in die Gastronomie?

GUDI: Alles geht in die Gastronomie. Weil ich nicht so ein guter Jäger bin, konnte ich eine gute Sache aufbauen, ich habe 15 Jäger, die mir all ihre Tiere bringen. Wir kümmern uns auch darum, ich mache zum Beispiel immer am Sonntag nach der Jagd ein Apéro mit allen, die was gebracht haben, und dann feiern wir das auch. Weil ich finde, das ist eine schöne Sache und das ist auch das, was ich gerne verkaufe. Ich habe die Erfahrung gemacht in der Gastronomie, ich glaube mit allem. Am Ende ist es sehr einfach, etwas zu verkaufen, wenn es authentisch ist. Und ich sage gerne zu meinen Gästen von dem, was ich gerne mache, und das ist die Jagd und darum ist das für mich sehr einfach und funktioniert auch gut. Und ich merke es auch an den Gästen, ich habe wirklich das Gefühl, dass sie das auch schätzen. Und das ist sehr authentisch und darum funktioniert das, glaube ich, auch sehr gut.

JON: Du hast erwähnt, dass du Administrationen von mehreren Geschäften zusammengeführt hast. Du hast auch in Zuoz noch ein Restaurant, das du führst, und das andere Thema, bei dem du auch sehr fest eingespannt bist, ist die Skischule. Das ist wahrscheinlich auch ein wenig von der Familie gegeben, dein Vater war ja auch sein Leben lang für Skischulen im Einsatz. Wie kam es dazu, dass du ein Geschäft mit mehreren Standbeinen aufgebaut hast, mit der Skischule und den Restaurants?

GUDI: Ja, das ist eigentlich passiert. Bevor ich das Geschäft zu Hause und das Restaurant Sur En übernommen habe, durfte ich ein Jahr das Restaurant der Skischule führen. Und dadurch bin ich in die Skischule Zuoz reingekommen. Ich war Skilehrer, aber in St. Moritz, und das hat mir immer sehr gut gefallen. Aber in der Skischule Zuoz bin ich als Gastronom reingekommen. Sie hatten ein Restaurant und hatten jemanden gesucht, der das Restaurant führt. Und dann habe ich mit 28 zu Hause das Geschäft übernommen und hatte das Gefühl, das sei super, wenn ich noch ein Restaurant führe, wo ich einen Lohn habe. Selbst wenn es zu Hause nicht funktioniert, kommt immerhin ein bisschen Geld rein. Diese Rechnung ging dann nicht ganz auf. Eine Woche vor der Eröffnung des Restaurants haben sie mich von der Skischule angerufen und gesagt, dass es besser wäre, wenn ich das Restaurant miete, da ich bereits zwei andere habe, die ich führe, damit es nachher keine Diskussionen gibt. Damit hatte ich nicht gerechnet. So war ich mit 28 mit drei Restaurants da, eines, das meines war, und zwei, die ich gemietet hatte. Das war ganz und gar nicht die Strategie. Aber so bin ich eigentlich mit einem Fuss in die Skischule gekommen. Nach einem Jahr hiess es, dass der Leiter der Skischule, der mein Onkel war, aufhören wird. Er hat mich informiert, wie das so ist mit Onkel und Neffen, ich war einer der ersten, der wusste, dass er aufhören wird. Aber trotzdem hat er gesagt, es gab zwei Interessenten aus der Skischule, die auch die Skischule führen wollten. Und dann musste jeder ein Konzept bringen, warum er die Skischule führen möchte. Und da habe ich das auf Papier gebracht, was ich jetzt gesagt habe. Ich habe gesagt, ich möchte die Skischule führen, sicher aus Überzeugung, weil ich das sehr gerne mache und ich das weitergeben möchte. Meine Vision war es, dieses Administrativbüro zu erschaffen für ein paar kleinere Geschäfte. Dadurch konnte ich aufzeigen, dass eine kleine Skischule, die nur im Winter ein Büro hat und mit grösseren Skischulen im Engadin konkurriert, die damals bereits ein Büro hatten und auch im Sommer offen für die Gäste, ich konnte aufzeigen, dass das ein Vorteil sein könnte, eine Win-win-Situation für uns alle. Da habe ich auch ein sehr grosses Vertrauen erhalten, dass ich das machen durfte. Ich glaube jetzt, nach genau 10 Jahren als Skischulleiter, jetzt kommen wir in das 11. Jahr, ich glaube, dass wir sagen können, dass es funktioniert hat. Das war in dem Moment sicher ein guter Schritt für beide. Dank des grossen Vertrauens, das ich erhalten hatte, um das machen zu dürfen.

JON: Im Winter ist es bereits mit einem Hotel oder Restaurant sehr intensiv. Du hast jetzt drei Restaurants und noch eine Skischule. Wie schaffst du es, mit all diesen Aufgaben gleichzeitig fertig zu werden? Hast du ein grosses Team von Mitarbeitenden, die dich unterstützen?

GUDI: Absolut. Ich hatte das grosse Glück, dass ich von zu Hause übernehmen konnte, und das ist nicht einfach, wenn die Mutter das Geschäft 30 Jahre lang geführt hat und dann kommt plötzlich der Sohn und hat andere Ideen. Ich hatte trotzdem, insbesondere zwei Mitarbeiter, die jetzt seit 25 Jahren bei uns sind. Sie haben gesagt, dass sie den Weg mit mir weitergehen. Das hat mir damals schon eine grosse Sicherheit gegeben. Und jetzt habe ich aber selbst ein Team um mich aufbauen können mit Mitarbeitenden, die jetzt schon viele Jahre dabei sind, das geht nur so. Manchmal gibt’s Momente, wo man denkt, ich wäre froh, wenn ich nur einen hätte, aber auf der anderen Seite gibt’s wieder Nächte, wo ich denke, ich muss wachsen, es braucht was Neues. Das ist schön, ich habe, als ich jung war, Hockey gespielt und habe gelernt, was ein Team ist. Ich habe mich immer als Coach von diesem Geschäft gesehen. Ich bin der Coach, aber die Tore müssen die anderen schiessen. So lebe ich das auch und versuche auch, ihnen das Vertrauen zu geben, damit sie die Tore schiessen können. Für mich ist das nur so möglich. Das ist auch mein Führungsstil und ich glaube, das ist auch das Einzige, was für mich funktioniert.

JON: In verschiedenen Gesprächen, die ich mit dir hatte, habe ich auch bemerkt, du hast auch Ideen für die Zukunft, du hast Projekte. Wie müsste das Engadin für dich aussehen in zehn Jahren? Was macht das Engadin in zehn Jahren aus?

GUDI: Ich glaube, dass wir einen guten Mix zwischen nicht überbauen und trotzdem muss es eine Entwicklung geben. Ich bin überzeugt, wenn ich jetzt meine ältere Tochter schaue, die heute Morgen im Kindergarten angefangen hat. Ich war heute Morgen auf Besuch, es war Tag der offenen Tür, zwei Jahrgänge in S-chanf, 17 Kinder, was eine grossartige Zahl ist in meinen Augen für so ein kleines Dorf. Wenn ich jetzt aber den Jahrgang meiner kleineren Tochter anschaue, wenn sie morgen nach S-chanf in den Kindergarten würde, dann wäre sie alleine. Das ist dort, wo ich die Probleme sehe. Wenn ich die politischen Probleme anschaue, die wir im Oberengadin haben, ich kenne mehr die vom Oberengadin, die verfolge ich stärker als die vom Unterengadin. Aber ich bin überzeugt, wenn wir weiterkommen möchten, brauchen wir einen gewissen Level an Leuten, die fix im Engadin wohnen. Mit 15'000, 16'000 haben wir im Oberengadin für mich zu wenig. Ich glaube, dass man das entwickeln kann, das kann man nur über den Boden machen, wir müssen Wege finden, wie wir weiterbauen können. Das soll in einem Rahmen sein, dass es sich auf eine gute Art entwickelt. Aber irgendwie müssen wir da eine Entwicklung finden. Ich möchte keine Zahl nennen, aber es muss mehr werden. Dann glaube ich, dass es eine gute Basis ist. Wie gesagt, ich bin gerne in der Natur, ich gehe oft wandern und wenn ich von oben herunterschaue, habe ich das Gefühl, es hat noch Platz im Engadin. Wenn wir das gut machen, dann können wir das Engadin mit fixen Bewohnern verdoppeln und haben immer noch ein sehr schönes Tal. Aber die Basis der Zukunft und die Basis der Arbeit sehe ich ganz klar im Tourismus. Auch das, was miaEngiadina macht, mit Tourismus kann auch ein Ort zum Arbeiten gemeint sein. Die Leute sind immer gekommen und werden auch in Zukunft kommen, weil unser Tal sehr schön ist, und dazu müssen wir Sorge tragen und trotzdem können wir kein Museum machen. Ich glaube, das ist der Mix, den ich zu verfolgen versuche. Auch politisch, dass meine Kinder hier arbeiten können. Ich habe das Glück, in der Gastronomie zu arbeiten, wo wir mit Leuten zusammenarbeiten, die über die Grenze gehen und sehr oft Auto fahren. Wir arbeiten in der Gastronomie bis spät und dann denke ich manchmal, ich kann jetzt ins Bett um 23 oder 24 Uhr, aber sie gehen noch eine Stunde mit dem Auto, was für eine Herausforderung das ist. Ich habe viele Mitarbeiter, die in meinem Alter sind und zu Hause Kinder haben und ich denke oft, ich kann zu Hause arbeiten und wenn mein Kind schreit, dann kann ich schnell nach oben oder ich kann hochgehen und gute Nacht sagen während dem Service und kann dann wieder runtergehen. Und die Grenzgänger können das nicht machen. Und das ist für mich das Wichtigste, wir müssen schauen, dass wir Arbeitsstellen haben, dass sie hierbleiben können, dass sie nicht ins Ausland müssen. Ich habe auch Leute aus Portugal, die in der schwierigen Situation sind, ob sie zurückkehren sollen oder nicht. Die Kinder sind hier aufgewachsen und die Eltern sind in Portugal. Und das sind Fragen des Lebens, die ich mir noch nie stellen musste. Das ist ein extremer Luxus und eine sehr grosse Freiheit für mich. In diese Richtung möchte ich arbeiten.

JON: Wo siehst du Themen, für die sich miaEngiadina in den nächsten zehn Jahren einsetzen könnte?

GUDI: Das ist klar. Für uns ist in der Plaiv der InnHub ein sehr grosses Thema. Auch für mich persönlich, ich verfolge dieses Projekt. Gerade wenn man ein kleines Geschäft hat und so ein Projekt realisiert wird, überlegt man immer, wie man sich positionieren kann und ob es Themen gibt, wo ich mich auch beteiligen könnte. Deshalb ist meine Sicht vielleicht etwas eng auf den InnHub im Moment. Das ist so ein grosses Projekt. Deshalb habe ich mich vielleicht auch etwas zu wenig mit der Frage befasst, was es sonst noch alles für Wege gäbe. Ich glaube, die Idee der Digitalisierung, das ist passiert und das war sehr gut. Das hat uns weitergebracht. Was kann nachher kommen?

JON: Gut, der InnHub, der ist auch für uns eine Herausforderung, Leben reinzubringen in den nächsten zehn Jahren. Und ich glaube auch, wenn man sich nur auf dieses Thema fokussieren würde, dann hätten wir schon viel zu tun.

GUDI: Ich glaube, ohne genau zu wissen, was es für die Entwicklung braucht, glaube ich, nur schon die Organisation selbst, ein Mittel zu haben, das sicherstellt, dass es Kommunikation gibt, das schaut, dass man zusammenkommt und über das Thema diskutiert, ich glaube, schon nur die Organisation ist sehr wichtig. Wie gesagt, ich habe auch das Militär gemacht, ich bin kein Fan vom Militär, aber auch da habe ich immer gesagt, bevor jetzt der Konflikt mit Russland war: Alle, die der Meinung waren, dass es das Militär nicht mehr braucht, war ich immer der Meinung, die Organisation und die Strukturen zu haben und die Leute mobilisieren zu können und schnellstmöglich kommunizieren zu können, ich glaube, das ist schon viel wert. Das sehe ich auch ein wenig bei miaEngiadina. Jemanden zu haben, der sich diese Gedanken macht, der sich die Zeit nimmt, die richtigen Leute am richtigen Ort zusammenzuführen und Themen in Frage zu stellen. Ich glaube, das ist für unser Tal sehr wichtig. Ich kenne das seit klein auf vom runden Tisch. Ich bin am runden Tisch aufgewachsen, das hatte Platz, aber heute nicht mehr. Ich habe gerade jetzt, ich trete aus einem Vorstand aus und war da im Vorstand mit ein paar Schulkameraden von mir und wir haben genau das thematisiert. Wenn wir aus diesem Vorstand austreten, ist die Gefahr, dass wir uns nicht mehr regelmässig sehen, sehr gross. Dann haben wir gesagt, eigentlich müssen wir einmal im Monat einen runden Tisch veranstalten, fix mit einem Termin im Kalender eintragen. Alle haben viel, alle haben Familie. Dazu hat miaEngiadina in meinen Augen eine gute Basis aufgebaut, um da zu helfen.

JON: Zum Abschluss, Gudi, kannst du deinen Lieblingsort im Engadin verraten?

GUDI: Ja, ich glaube, mein Lieblingsort im Engadin ist zwischen den zwei Tälern Susauna und Punt Ota. Das ist ein Ort, wo ich sehr gerne bin. Von da aus sieht man nach Zernez, weiter sieht man nicht, weil danach die Kurven des Tals kommen. Aber man sieht in die andere Richtung bis zum Waldhaus in Sils, wo ich auch mal in der Küche arbeiten durfte. Man sieht das ganze Oberengadin. Aber man weiss auch, wenn man noch etwas weiter hochgeht, dann ist man sehr schnell aus dem Engadin. Und das ist für mich sehr wichtig, weil meine Mutter schon nicht aus dem Engadin war, konnte ich von klein auf auch manchmal raus aus dem Engadin. Meine Frau ist auch nicht aus dem Engadin, ich bin froh, dass ich Gründe habe, auch manchmal das Tal verlassen zu können. Im Tal ist das sicher mein Lieblingsort, insgesamt mein Lieblingsort, aber auch weil er sehr nah an der Grenze ist und aufmachen kann.

JON: Vielen Dank, Gudi, für dieses sehr spannende Gespräch. Das war das Gespräch mit Gudi Campell. Danke, dass ihr dabei wart. Bleibt gespannt auf die nächsten Visionen und Podcasts von miaEngiadina.

Interview
Jon Erni

Bild und Video
miaEngiadina / JSStudios José Diego Santos

Weitere News

Alle
Community
Von Mitgliedern
miaEngiadina
07. April 2026 | miaEngiadina
Podcast Peder Caviezel & Chasper Cadonau
26. März 2026 | miaEngiadina
Podcast Aita Zanetti & Jon Erni
24. März 2026 | Bildung
Lernloft - digitale Kompetenzen für Erwachsene
20. März 2026 | miaEngiadina
Podcast Nora Saratz & Annina Coradi
13. März 2026 | miaEngiadina
Podcast Gian Reto à Porta & Jon Erni