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miaEngiadina

Podcast Giuliana Werro & Chasper Cadonau

Podcast
21. Apr 26
Zum Podcast auf Romanisch - Deutsche Version zum Nachlesen weiter unten

Interview mit Giuliana Werro

CHASPER: Willkommen beim miaEngiadina Podcast. Ich bin Chasper und heute habe ich hier bei mir Giuliana. Vielen Dank, dass du da bist. Kannst du dich kurz vorstellen: Wer du bist, was du machst, wie alt du bist und was du in deinem Leben machst?

GIULIANA: Gerne, wie du gesagt hast, ich bin Giuliana Werro und wohne in Zernez. Ich bin in Zernez aufgewachsen und bin von Beruf Langläuferin, das mache ich schon viele Jahre, und nebenbei studiere ich.

CHASPER: Was machst du nebenbei für ein Studium?

GIULIANA: Ich studiere Gesundheitspsychologie. Und das ist ein Studium, das ich online machen kann und daher sehr gut mit dem Sport und dem Training kombinieren kann.

CHASPER: Ich glaube, dass wir schon bei einem sehr spannenden Thema sind: Sport und Gesundheit. Wenn ich dich frage, was ist für dich speziell am Engadin oder was hast du das Gefühl als Sportlerin? Du lebst immer im Engadin. Aber du bist auch viel auf dieser Welt gereist und warst auch in Finnland zum Langlaufen, du bist schon an sehr vielen Orten gewesen. Wenn du hier im Engadin bist, gibt es etwas, wo du sagst, das haben wir nur hier im Engadin? Oder sagst du, nein, es ist überall gleich, es hat viele schöne Orte?

GIULIANA: Nein, für mich ist das Engadin schon immer der Ort gewesen, wo es mir einfach gut geht. Ich bin hier aufgewachsen, es ist meine Heimat. Wie du gesagt hast, ich bin schon an einigen Orten auf dieser Welt gewesen, was auch sehr schön ist. Aber ich freue mich immer wieder, ins Engadin zurückzukommen. Es ist für mich ein Ort, wo ich mich erholen kann und meine Batterien aufladen kann und wo es mir einfach am besten geht. Und deshalb ist es für mich ein spezieller Ort, wohin ich immer wieder gerne zurückkehre.

CHASPER: Was spannend ist: Viele sagen, im Engadin geht’s mir gut. Ich habe das auch früher immer gemerkt, wenn ich unterwegs war, und wenn ich wieder zurückkam, war alles schön ruhig hier, hier kann ich meine Kräfte sammeln. Hast du das Gefühl, dass das mit der Natur zu tun hat, dass es magische, schöne Orte sind? Hat es auch mit den Menschen zu tun, die im Engadin sind, mit der Kultur? Es kann auch sein, dass man einfach ein paar Personen hat hier, wo man sagt, bei denen geht’s mir gut. Was ist alles das Spezielle? Es ist einfach zu sagen, das Engadin ist schön. Jeder sagt, meine Heimat ist die schönste. Aber wenn du vielleicht Werte nimmst?

GIULIANA: Ich glaube, was speziell ist, ist die intakte Natur. Und für jemanden wie mich, die gerne draussen ist, ist das einfach das Schönste, was es gibt. Aber ich glaube auch die Menschen, man kennt und grüsst sich. Und ich bin eine Familienperson und das ist natürlich auch ein grosser Einfluss. Ich habe meine ganze Familie hier. Und das ist für mich auch sehr wichtig. Aber ich glaube, die Kombination aus den verschiedenen Komponenten trägt dazu bei, dass es einem gut geht. Die ganze Atmosphäre ist für mich schön. Wie gesagt, für jemanden, der so viel draussen ist, ist die Natur sicher ein sehr wichtiger Punkt.

CHASPER: Die Natur hören wir oft. Auch bei anderen Leuten, sie sagen, dass die Natur magisch ist. Bei dir ist es vielleicht noch anders, du bist zu allen Zeiten in der Natur, du gehst vielleicht auch mal am Morgen früh, wenn die Sonne über den Seen hochgeht, und siehst die Natur auch nicht nur bei schönem Wetter. Ich weiss, wenn man Sport macht, muss man manchmal auch gehen, wenn das Wetter nicht gut ist. Man geht auch, wenn es regnet oder schneit und windet. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass man die Kraft der Natur am besten spürt, wenn das Wetter nicht gut ist. Und auch im Leben ist es nicht immer nur schönes Wetter, es tut auch gut, manchmal in die Natur zu gehen, wenn das Wetter schlecht ist.

GIULIANA: Auf jeden Fall. Man hat vielleicht im ersten Moment die Motivation nicht, aber in dem Moment, wenn man draussen ist, merkt man es erst recht. Denn das sind die Tage, die noch ruhiger sind und die Luft ist noch sauberer. Und sobald man draussen ist, merkt man, dass jeder Tag etwas Schönes hat, auch wenn das Wetter nicht immer gut ist. Alle Möglichkeiten, die wir hier haben, besonders für mich zum Trainieren: Wir haben Berge, wir haben Seen, man kann bergauf, man kann flach gehen. Da findet man immer jeden Tag etwas Schönes, egal welches Wetter und welche Konditionen.

CHASPER: Ich denke, gerade zum Sportmachen ist das Engadin sehr schön. Wie du sagst, man kann viele verschiedene Sportarten treiben. Die Natur bietet uns auch verschiedene Jahreszeiten. Diese sind bei uns alle schön. Es ist nie einseitig. Du hast jetzt viel von Werten gesprochen, die dir Energie geben. Siehst du als junge Frau auch Gefahren für diese Werte? Siehst du, dass sich das Engadin verändert hat in den letzten Jahren? Dass wir vielleicht aufpassen müssen, dass es Gefahren gibt, die dazu führen könnten, dass wir das eines Tages nicht mehr haben?

GIULIANA: Ich glaube, dass wir schon aufpassen müssen heutzutage. Alles geht immer schneller, die Leute werden gestresster, es wird überall gebaut. Es gibt gewisse Veränderungen und ich glaube, es ist wichtig, eine gute Kombination zwischen Veränderungen, Tourismus und mit der Zeit zu gehen. Aber man muss auch aufpassen, dass wir bei unseren Werten bleiben, die das Engadin speziell machen. Die Leute schätzen die Werte und diese ziehen sie am Ende auch an.

CHASPER: Ich denke, das Einzigartige am Engadin ist, dass wir vielleicht noch eine kleine Perle sind. Es gibt viele Orte, die mehr anbieten, vielleicht mehr Loipenkilometer oder längere Pisten zum Skifahren. Aber wir haben noch die pure Natur. Wir können noch unsere Stöcke nehmen und auf eine Bergspitze hochrennen und dort essen und auf unser schönes Tal runterschauen und zurückkehren und haben den ganzen Tag niemanden getroffen. Das ist für mich etwas sehr Spezielles und ich glaube, dass wir dazu sehr Sorge tragen müssen, dass das so bleibt. Wir müssen nicht die Masse anziehen, ich glaube, es reicht, wenn wir Leute anziehen, die unsere Werte schätzen. Was ist für dich an der romanischen Sprache speziell? Hast du auch das Gefühl, dass sie uns zusammenhält?

GIULIANA: Auf jeden Fall, das merke ich auch, dass es ein gewisses Gefühl von Familie gibt. Ich habe auch oft Kontakt mit anderen Sprachen. Aber sobald sich die romanisch Sprechenden treffen, ist es ein anderes Gefühl. Ich glaube, wir schätzen das auch anders, weil es so wenige gibt. Es ist ein Gefühl von Heimat, es ist immer schön. Man schätzt es auch, wenn man wieder nach Hause kommt und die Muttersprache sprechen darf. Dazu müssen wir in den nächsten Jahren auch Sorge tragen.

CHASPER: Ich habe das Gefühl, dass die romanische Sprache uns sehr fest verbindet. Vor zehn oder zwanzig Jahren hatte ich das Gefühl, dass es die romanische Sprache eines Tages nicht mehr geben wird. Aber jetzt habe ich wieder ganz fest das Gefühl, dass diese Sprache nie aussterben wird. Denn das ist unsere Sprache des Herzens. Und diese bleibt weiter, diese gibt man seinen Kindern weiter. Siehst du eine Gefahr für unsere Sprache oder hast du auch das Gefühl wie ich, dass wir unsere Sprache für immer erhalten werden?

GIULIANA: Für mich ist es noch schwierig zu sagen, wie es vor zwanzig Jahren war. Aber heutzutage habe ich schon das Gefühl, dass die Jungen wieder stolz sind, romanisch zu sprechen. Und auch untereinander wird wieder mehr romanisch gesprochen. Man sieht auch immer mehr Romanischsprechende, die unsere Sprache gerne repräsentieren. Und ich glaube, die Jungen sind wieder stolz auf unsere Sprache. Ich glaube, das ist eine sehr positive Entwicklung. Ich hoffe, wie du, dass es auch so bleiben wird.

CHASPER: Ich habe auch das Gefühl, je digitaler und moderner die Welt wird und je offener sie wird – man hat, egal wo man ist, alle Möglichkeiten. Wir können mit unserem Handy Bilder aus der ganzen Welt anschauen. Wir haben das ganze Wissen auf einem kleinen Telefon. Dadurch wird die Welt immer grösser. Aber ich glaube, je grösser die Welt wird, desto mehr brauchen wir wieder kleine Werte für uns, um uns einzigartig zu fühlen und um uns nicht verloren zu fühlen. Weil ich glaube, wenn die Werte sehr gross werden, dann sind wir nur wie eine Ameise im Universum und wir wissen gar nicht mehr, wer wir sind. Und deshalb habe ich das Gefühl, dass so kleine Werte wie eine Sprache, eine Heimat und Freunde wieder mehr geschätzt werden. Und es gibt Leute, die sagen, die Digitalisierung sei eine Katastrophe. Aber ich glaube, dass eine Entwicklung immer stattfindet. So eine Entwicklung kann uns auch wieder näher zu unseren eigenen Werten führen. Wie du auch gesagt hast, es ist schön, dass du das gesagt hast, dass du das Gefühl hast, die Jungen heute schätzen die romanische Sprache wieder mehr. Siehst du das auch so, dass man nicht immer negativ sein muss? Dass man positiv sein kann und sagen kann, dass die Digitalisierung uns wieder zu unseren Wurzeln bringt und wir diese wieder mehr sehen?

GIULIANA: Ich sehe das auch so. Ich glaube, das hat sich in den letzten Jahren ein bisschen zurückentwickelt. Es ist alles sehr schnell grösser geworden, schneller, digitaler und internationaler. Aber wir haben immer noch diese Werte und ich denke, gerade das zieht die Leute immer noch ins Engadin. Bei uns kann man in die Natur gehen, man hat die Ruhe und man ist für sich. Ich merke das auch für mich mental, man kann sich auch wieder Gedanken für sich selbst machen. Und man bekommt wieder einen freien Kopf. Das sehen die Leute immer wieder. Die Digitalisierung hat eine Menge Vorteile, aber es ist wichtig, eine gute Kombination zu finden. Ich glaube, bis jetzt ist das im Engadin sehr gut gelungen. Und das ist es, was die Leute schätzen.

CHASPER: Ich glaube, dass man im Leben jede Extreme sehen muss. Ich sage immer, wenn mich jemand um Rat fragt, dass es kein Rezept gibt, man muss es ausprobieren. Und ich glaube, so ist es auch mit der Digitalisierung. Bei dir als Sportlerin ist deine Uhr mit dem Handy verbunden und dein Handy mit deinem Trainer. Du bist mit der ganzen Welt verbunden. Jeden Herzschlag von dir kennt dein Trainer. Wir haben die Möglichkeit, mit der Welt verbunden zu sein. Das bedeutet aber vielleicht auch, dass man manchmal Freude hat, sein Telefon abzuschalten und rennen zu gehen ohne nichts. Man muss sich manchmal auch Inseln nehmen, die nicht digital sind, und manchmal abschalten. Und dem Kopf Luft geben.

GIULIANA: Das ist auch für mich das Schönste. Das merke ich auch an den Tagen, wenn man mal nicht so gut drauf ist und es nicht so funktioniert, wie man will. Und an diesen Tagen einfach ein paar Schuhe zu nehmen und in meinem Fall rennen zu gehen. Das hilft sehr und man sieht nachher alles wieder viel positiver. Man kann die Gedanken wieder sortieren. Man sieht dann, was für ein Privileg wir haben, in so einem Tal wohnen zu können. Es ist nicht immer alles so negativ, wie man glaubt.

CHASPER: Das ist sehr schön, dein Denken zu hören. Und zu sehen, dass es noch Leute gibt, die das so sehen, die noch diese Hoffnung haben und die glänzenden Augen, weil sie an eine schöne Wanderung denken. Ich glaube auch, dass unsere Welt uns immer mehr Möglichkeiten bietet. Wir haben mehr finanzielle Möglichkeiten, uns das kaufen zu können, was wir wollen. Ob das materielle Sachen oder auch Reisen sind. Wir können heutzutage eigentlich alles kaufen. Ich habe das Gefühl, um glücklich zu sein, geht es schlussendlich doch um die einfachen Sachen. Vielleicht hat man kurzfristig Freude an etwas Grossem, aber am Ende sind es sehr viele kleine Sachen und für mich sind das die Werte. Siehst du das auch so?

GIULIANA: Ich glaube auch, das sind einfach Sachen, die man nicht kaufen kann und wir müssen uns darüber bewusst sein, dass es hier noch so ist. Wir müssen zu diesen Werten Sorge tragen. Es gibt viele Möglichkeiten heutzutage und es ist auch schön, dass jeder selber entscheiden kann, was guttut und was nicht. Immer wieder zurückzukehren und auch die kleinen Sachen zu haben, die für uns selbstverständlich sind, aber für andere, die nicht hier wohnen, die sehen das vielleicht mehr und wir vergessen das manchmal.

CHASPER: Jetzt möchte ich den Fokus auf ein anderes Thema legen. Du hast am Anfang gesagt, dass du Sportlerin bist. Das ist deine Leidenschaft, du lebst für den Sport, ich weiss das. Und wenn wir jetzt das Engadin anschauen: Für mich ist das Engadin eigentlich prädestiniert, um Sport zu treiben. Wir hatten im Engadin auch gewisse Sachen, die wir verloren haben. Wenn ich nur an die Olympiade denke, die wir im Engadin hatten vor vielen Jahren. Wir hatten die erste natürliche Bobbahn, eine Schanze. Wir haben auch viele Sachen verloren. Vielleicht, weil man auf andere Werte gesetzt hat oder was auch immer. Wenn alles gut läuft, haben wir durch miaEngiadina in La Punt ein neues Center. Den InnHub, da liegt der Fokus auch auf Sport. Geboren ist diese Idee eigentlich, um Geschäftsleute aus der ganzen Welt ins Engadin zu bringen, damit sie hierherkommen, sich inspiriert fühlen und sich hier in den Bergen erholen können. Wir hatten das Glück, durch Caspar Coppetti von On Schuhe einen Partner zu finden, der den Fokus auch auf Sport hat. Und wenn alles gut kommt, wie es geplant ist, dann gibt’s da oben ein Sportcenter, das dir auch etwas bringen wird. Was ist dein Traum, oder was fehlt dir als Sportlerin im Engadin, das man in diesem Center anbieten könnte? Was gibt es für dich für Träume oder Sachen, bei denen du sagst, das fehlt im Engadin? Oder was würde dir Freude machen, damit das Engadin wieder mehr ein Tal für Sportler wird?

GIULIANA: Ich glaube, viel braucht es gar nicht, wenn man sieht, wie viele Athleten bereits hier trainieren. Eigentlich ist es schon sehr optimal, all die Möglichkeiten, die wir haben. Aber als ich von diesem Projekt erfahren habe, muss ich sagen, da sehe ich schon auch noch sehr viele Chancen, und das ist ein sehr cooles Projekt. Und wenn man da Tests durchführen kann, für die man sonst nach Magglingen gehen müsste, dann haben die Athleten die Möglichkeit, in der Höhe noch besser zu trainieren. Und man kann auch alles nochmals besser überwachen. Das wird noch viel mehr Athleten anziehen, gemischt mit den Möglichkeiten, die wir jetzt schon haben. Denn 95 % des Trainings findet draussen statt, und da haben wir perfekte Bedingungen. Und wenn man dann gewisse Sachen noch professioneller machen kann, ist das, glaube ich, eine Chance für das ganze Tal.

CHASPER: Ich habe auch gesehen, dieses Jahr fand ja ein Weltcuprennen im Engadin statt, dass Athleten aus der ganzen Welt hier waren. Es hatte auch Athleten, die länger im Engadin geblieben sind und von sich aus entschieden haben, dass sie hier noch trainieren wollen und von der Höhe profitieren wollen. Wie du sagst, wir haben die Loipen hier und die Natur. Unser Schatz ist, dass wir im Oberengadin so weit über Meer sind, dass wir Schnee haben. Wir haben die Sicherheit, dass wir lange Schnee haben, was auch immer problematischer wird. Viele andere Orte haben immer mehr Schwierigkeiten, natürlichen Schnee zu finden. Aber wenn die Athleten dann hier sind, hast du auch das Gefühl, dass eine gewisse Infrastruktur noch fehlt im Engadin? Oder was fehlt den Profis hier im Engadin, wenn sie hier sind und sich akklimatisieren wollen? Brauchen sie eine Infrastruktur? Vielleicht ein Center, wo sie Messungen durchführen können, wo es vielleicht schneller geht als beim Arzt oder wenn sie noch nach Magglingen müssen?

GIULIANA: Nein, ich glaube, davon können wir sehr fest profitieren. Wie du auch gesagt hast, auch im Winter, dass wir den Schnee haben und die Athleten schon da sind. Wenn man das nachher kombinieren kann mit der Medizin, dass man Tests machen kann mit verschiedenen Temperaturen und Höhen, und wenn das alles in ein Center kommt im Engadin, dann ist das auf jeden Fall etwas sehr Positives für uns. Und mit den Athleten, die wir hier haben, gibt das bestimmt noch mehr Werbung und noch mehr, die kommen. Und gerade für mich als Winterathletin gibt es wenige Orte, wo es so sicher ist, dass es Schnee hat. Das sehe ich: Die Rennen, die wir haben, sind zu 90 % auf Kunstschnee. Im Engadin hat es sehr viele Loipenkilometer, und ich weiss nicht, wo es das heutzutage noch gibt. Und ich glaube, das schätzen die Athleten auch extrem. Und jetzt haben wir jedes zweite Jahr den Weltcup im Engadin. Ich glaube, dass man mit dem Center zusammen noch etwas Grösseres und Besseres aufbauen kann für uns.

CHASPER: Ich habe auch das Gefühl, als Athlet, wenn man etwas renommierter ist und bereits Weltcups gewonnen hat, dann fühlen sich diese im Engadin doch noch für sich. Hier ist es nicht so, dass sie aufgehalten werden und alle ein Theater machen. Ich glaube, bei uns, egal wer du bist, hast du trotzdem deine Ruhe und wirst auch in Ruhe gelassen. Und ich glaube, das braucht es auch. Ich glaube, du hast bereits etwas sehr Spezielles definiert. Ich wollte dich fragen: Wenn du genug Geld hättest, was würdest du aus dem Engadin machen? Ich glaube, der Wert unserer Landschaft, das mit Athleten zu kombinieren und immer mehr Leute ins Engadin zu holen, die auf Sport und Gesundheit achten – ich glaube, Gesundheit und Sport sind Werte, zu denen wir Sorge tragen müssen und mit denen wir das Engadin sicher auch noch sehr gut entwickeln können.

GIULIANA: Ja, ich glaube, es geht nicht immer ums Geld. Ich glaube, dass es relativ einfach ist, etwas Gutes im Engadin zu tun. Einfach versuchen, Sorge zu unseren Werten zu tragen. Ich glaube, alle, die hierherkommen, schätzen unsere Werte sehr. Wichtig ist, dass alle Freude haben, wenn sie hier sind. Es braucht nicht immer sehr viel. Es ist wichtig, authentisch zu bleiben.

CHASPER: Ja, letztendlich sind es die Menschen, die es ausmachen. Es ist egal, wo man hingeht. Wenn man irgendwo hingeht und bemerkt, dass es dort viel mehr Gäste als Einheimische hat, dann fühlt man sich auch fremd. Aber wenn man in der Toskana in eine kleine Gemeinde geht, wo es 80 % Einheimische und 20 % Touristen hat, dann fühlt man sich gut. Man kann die Sprache sprechen und ist Teil der Kultur. Ich glaube, dass dieser Mix auch das sein wird, was im Engadin bleibt. Wir müssen aufpassen, dass wir hier immer noch genug Einheimische haben, die hier leben und unsere Werte auch leben. Und dass wir nicht zu fremd werden. Nicht, dass wir plötzlich Fremde im eigenen Tal sind – so wie es zum Teil in den Gemeinden im Oberengadin passiert. Da sind zum Teil 80 % Zweitwohnungen und nur noch 20 % Engadiner. Die fühlen sich nicht mehr gut. Ich kenne viele Leute, bei denen das der Fall ist. Ich habe aber das Gefühl, dass wir von Zernez runter das noch erhalten können. Das ist ein Teil, für den ich mich bemühen werde in unserer Region, dass wir bleiben. Wenn wir von Werten reden: Ein Wert ist die Natur, davon hast du auch viele Male gesprochen. Aber der andere Wert ist der Mensch. Ich glaube, wenn wir hier herzliche Menschen haben, wie der Engadiner es ist, und wir genug von diesen Menschen haben, die hinausgehen und eigentlich Botschafter unseres Denkens sind, dann ist es das, was die Leute sehr an uns schätzen. Giuliana, wir kommen zum Ende unseres Interviews. Ich möchte dir eine Frage stellen, die wir allen stellen, wenn es zu Ende geht. Ich weiss, dass es im Engadin viele Orte gibt, und gerade Leute wie wir, die immer in der Natur sind, haben tausende schöne Orte. Gibt es einen Ort, wo du hingehen kannst, wenn deine Batterien ganz leer sind? Und wenn es diesen Ort gibt, kannst du uns das verraten, oder ist es so geheim, dass du sagst, das muss ich für mich behalten, weil es sonst vielleicht zu viele Leute dort hat?

GIULIANA: Nein, diesen Ort gibt es auf jeden Fall. Unsere Familie hat eine kleine Hütte über Susch in Nudigls, und das ist für mich schon seit klein auf einer meiner Lieblingsorte gewesen. Ein Ort, wo es einem immer gut geht. Wenn ich müde bin und zurückkehren kann, auf die Hütte gehen kann und ein leckeres Mittagessen mit den Grosseltern machen kann, mit den Leuten, die man gerne hat – es ist ein Ort der Ruhe und der Kraft. Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen. Das ist ein Ort, an den ich sehr gerne zurückkehre und wo ich auch sehr gerne bin.

CHASPER: Vielen Dank, Giuliana, für das sehr spannende und schöne Gespräch mit der Sicht einer Sportlerin. Das hat sehr gutgetan. Und ihr Zuhörer, bleibt gespannt auf den nächsten miaEngiadina-Podcast mit neuen Visionen. Vielen Dank und auf Wiedersehen.

 

Interview
Chasper Cadonau

Bild und Video
miaEngiadina / JSStudios José Diego Santos

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