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miaEngiadina

Podcast Aita Zanetti & Jon Erni

Podcast
26. Mär 26
Zum Podcast auf Romanisch - Deutsche Version zum Nachlesen weiter unten

Interview mit Aita Zanetti

JON: Willkommen beim Podcast von miaEngiadina. Mein Name ist Jon Erni, mein heutiger Gast ist Aita Zanetti, Gemeindepräsidentin von Scuol. Aita, vielen Dank, dass du hier bist, und herzlich willkommen.

AITA: Vielen Dank fĂĽr die Einladung.

JON: Aita, wer bist du und wie beschreibst du deine Beziehung zum Engadin?

AITA: Ich bin Aita – das sagt schon mein Name. Ich bin Engadinerin. Ich bin tief in diesem Tal verwurzelt. Ich fühle mich hier zu Hause. Hier gehöre ich hin.

JON: Du bist in Sent geboren und aufgewachsen. Du bist stark mit dieser Fraktion von Scuol verbunden. Was verbindet dich mit Sent?

AITA: Mit Sent verbinden mich meine Kindheitserinnerungen. Mit Sent verbinde ich mein Leben als Mutter und Bäuerin. Mit Sent verbinde ich den Kirchturm: Wenn ich auf Sent zufahre und den Kirchturm sehe, dann weiss ich, jetzt bin ich fast zu Hause. Mit Sent verbindet mich auch, dass der grösste Teil meiner Familie dort lebt. Ja, das ist der Ort, an dem ich mich wohlfühle.

JON: Inwiefern hat das Unterengadin Einfluss auf deine persönliche Sozialisation gehabt?

AITA: Das Unterengadin ist ein enges Tal und gleichzeitig eines mit einer gewissen Freiheit. Ich fĂĽhle mich hier geborgen und zu Hause. Es besteht aber auch die Gefahr, dass man sich scheut, gewisse Schritte zu machen, weil man sich untereinander sehr gut kennt.

JON: Kultur ist ein wichtiger Teil unserer Region. Hat sie Einfluss auf deine Identität gehabt?

AITA: Ja, das glaube ich auf jeden Fall. Kultur lässt sich nicht verordnen. Sie ist Teil des Lebens, des sozialen Lebens. Das beginnt mit kleinen Ritualen in der Schule, mit Traditionen, wo man Gemeinschaft sieht und spürt. Kultur und Sprache gehören zusammen. Das ist ein Paket und Teil der DNA jedes Einzelnen.

JON: Du bist Mutter, du bist Bäuerin, du bist Grossrätin, du bist Gemeindepräsidentin von Scuol – viele Aufgaben. Wie sieht dein Alltag aus? Wie schaffst du es, dein Leben mit all diesen Aufgaben zu organisieren?

AITA: Wichtig ist, das zu tun, was man gerne macht. Dann ist es fast egal, welche Funktion man hat. Mein Tag beginnt wie bei den meisten Menschen: Man steht auf, frühstückt und geht zur Arbeit. Es ist dann auch fast egal, wohin. Ich muss aber zugeben, dass die Landwirtschaft momentan etwas zu kurz kommt. Ich geniesse jedoch die Momente, in denen ich heuen kann – das ist meine persönliche Erholung.

JON: Heutzutage ist es nicht mehr einfach, Menschen für Politik zu motivieren. Du hast diesen Weg gewählt – was waren die Hauptgründe für dein politisches Engagement?

AITA: Ich hatte immer Interesse an Politik. Und ich mag die Menschen. Ich diene gerne der Allgemeinheit. Das muss nicht immer in einem politischen Kontext sein. Meine Überzeugung ist: Wenn ich nicht entscheiden will, dann entscheiden andere für mich. Ich bin auch der Meinung, dass die Demokratie ein Geschenk ist – ein sehr kostbares. Zu diesen demokratischen Regeln müssen wir Sorge tragen. Das heisst nicht, dass es keine harten und kontroversen Diskussionen geben darf. Aber wir haben ein enormes Privileg, dass wir unsere Meinungen äussern können. Das muss gepflegt werden. Pflegen kann man nur, was man lebt. Deshalb mache ich meine politische Arbeit gerne.

JON: Du erwähnst in deinen Festreden und Ansprachen immer wieder die Gemeinschaft und ihre Bedeutung. Was bedeutet Gemeinschaft konkret für dich?

AITA: Ich bin überzeugt, dass wir nur weiterkommen, wenn wir versuchen, uns gegenseitig zu verstehen. Wenn wir einander mit Respekt begegnen, wenn wir bereit sind zuzuhören – auch wenn wir nicht derselben Meinung sind. Das schafft Gemeinschaft. Ich bin in Sent aufgewachsen, wo Brunnen zentrale Orte sind, an denen man sich trifft und grüsst. Das sind alles Aspekte von Gemeinschaft. Gemeinschaft war auch der rote Faden während meines Jahrs als Präsidentin des Grossen Rats. Es ist gut, individuelle Wünsche zu haben und eigene Wege zu gehen – das ist sehr wichtig. Aber es tut auch gut, wieder in einen Kreis zurückzukehren, in dem man sich kennt und wohlfühlt. Das ist mir sehr wichtig.

JON: Als Bäuerin arbeitest du in und mit der Natur. Als Gemeindepräsidentin hast du sicher auch viele Themen auf der Agenda, die mit der Natur zu tun haben – nicht nur einfache Themen. Was sind die grössten Herausforderungen, die du in diesem Zusammenhang für unsere Region siehst?

AITA: Grundsätzlich müssen wir darauf achten, mit beiden Füssen auf dem Boden zu bleiben. Dass wir Erde, Sonne und Wind wahrnehmen. Dann sind wir Teil der Natur. Die Natur können wir in diesem Sinne nicht kontrollieren. Wir müssen mit Veränderungen leben: Klimaveränderungen, Perioden mit viel Regen oder extremer Trockenheit. Das – so empfinde ich es – macht demütig. Wir können nicht alles technisch regeln. Auf der anderen Seite sind wir Menschen Teil der Natur, und dieser Aspekt darf nicht verloren gehen. In meiner politischen Arbeit möchte ich in erster Linie den Menschen dienen. Und wenn es den Menschen gut geht, in einer gesunden Umwelt, die atmen kann, dann haben wir etwas erreicht. Ich bin der Meinung, dass wir das nicht trennen dürfen. Wir sind Teil dieses Planeten und tragen eine gewisse Verantwortung.

JON: Der Klimawandel ist ein sehr aktuelles Thema. Wir sehen ihn oft von der negativen Seite mit Unwettern und Naturschäden. Aber der Klimawandel kann auch Chancen für unsere Region bringen. Siehst du aus dieser Perspektive Möglichkeiten, die man als Region angehen könnte?

AITA: Wir müssen akzeptieren, dass es Veränderungen gibt. Und wenn wir dazu bereit sind, müssen wir Massnahmen ergreifen, um damit umzugehen. Wir wissen, dass es wärmer wird, dass die Winter kürzer oder anders werden. Auf der anderen Seite werden andere Jahreszeiten länger. Ich denke an den letzten Herbst, er war wunderschön, mit angenehmen Temperaturen und fantastischen Farben. Wir müssen das nutzen, was uns die Natur bietet, und nicht alles in eine andere Richtung drücken wollen.

JON: Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Als Gemeindepräsidentin und Gemeinderat habt ihr die Aufgabe, die Entwicklung der Gemeinde zu diskutieren. Was ist deine bzw. eure Vision für Scuol in zehn Jahren?

AITA: Visionen gäbe es viele, sie sind aber immer auch mit Erwartungen verbunden. Ich glaube, wir müssen sehr gut zur jungen Generation schauen müssen. Die Demografie entwickelt sich so, dass wir immer älter werden – was erfreulich ist. Aber wir haben immer weniger Jugendliche und Kinder. Wir müssen sichtbar machen, welche Vorteile eine Region wie das Unterengadin für junge Familien hat. Zum Aufwachsen ist es ein Paradies. Darauf müssen wir mehr Gewicht legen.

JON: Welche Rolle soll die Jugend in dieser Vision einnehmen? Du sagst, man will etwas für die Jugend tun – aber hat die Jugend auch eine aktive Rolle in diesem Prozess?

AITA: Seit ich Gemeindepräsidentin bin, treffe ich mich immer mit Jugendlichen, die 18 Jahre alt geworden sind. Ich bin oft überrascht von ihren Sorgen und Wünschen, die nicht immer mit dem übereinstimmen, was wir Erwachsenen glauben. Wichtig ist der Dialog. Wichtig ist, ihnen die Möglichkeit zu geben, Flügel zu bekommen um wegzufliegen, aber auch um zurückzukehren. Ich glaube, die Zeit vom Schulabschluss bis zum Ende der ersten Berufsausbildung sollten sie in unserem Tal verbringen. Sie sind eine sehr wichtige Ressource für das soziale und kulturelle Leben. Wir brauchen die Jugendlichen in dieser Zeit. Ich bin der Meinung, man muss ihnen zeigen, dass sie wichtig sind. Der Kanton Graubünden wird irgendwann die Möglichkeit haben, dies auch mit dem Stimmrecht ab 16 zu tun.

JON: miaEngiadina feiert nächstes Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum. Wir schauen nach vorne und überlegen, was wir in den nächsten zehn Jahren machen wollen. Siehst du Themen, bei denen miaEngiadina sich engagieren und helfen könnte – vielleicht auch in einem regionalen Prozess –, um neue Möglichkeiten zu schaffen?

AITA: miaEngiadina und die Menschen dahinter haben in einem modernen Kontext ein Gemeinschaftsgefühl geschaffen. Das gefällt mir. Die Idee, Gemeinschaft mit technischen und zeitgemässen Mitteln zu schaffen – diese Entwicklung wird weitergehen. Eine Rolle, die miaEngiadina übernehmen kann, ist es, unsere Bevölkerung und insbesondere die Jugend in diesem Prozess zu begleiten. Ein Wegweiser, ein Leitfaden zu sein. Denn die Möglichkeiten sind immens. Wir kommen kaum hinterher, mit all diesen Möglichkeiten umzugehen. Was vor zehn Jahren für miaEngiadina gut war, um Gemeinschaft zu schaffen, wird auch in Zukunft gut sein. Diese Aufgabe hängt nicht vom Alter der Organisation ab.

JON: Eine Aufgabe, die auch in Zukunft der rote Faden bleibt. Zum Schluss noch eine etwas persönlichere Frage: Du bist oft draussen in der Natur. Verrätst du uns deinen Lieblingsort im Engadin?

AITA: Ja, das kann ich. Ich bin sehr gerne auf der Alp San Flurin oberhalb von Sent. Es ist ein Ort mit einer grossartigen Aussicht. Eine alte AlphĂĽtte, sehr ursprĂĽnglich. Das ist etwas, das mich verbindet. Ein Ort zum WohlfĂĽhlen.

JON: Vielen Dank, Aita, für dieses sehr interessante Gespräch. Das war das Gespräch mit Aita Zanetti. Vielen Dank, dass ihr dabei wart. Bleibt gespannt auf weitere Zukunftsvisionen unseres Tals in den nächsten miaEngiadina-Podcasts. Vielen Dank und auf Wiedersehen.

Interview
Jon Erni, Visionär & Gründer miaEngiadina

Bild und Video
miaEngiadina / JSStudios José Diego Santos

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